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Breitscheidplatz, August 2003

Auf der Treppe der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche sagte mir der alte Fritz:

"Alles Wissen ist von Natur aus im Menschen verborgen.
Bücher dienen als Katalysatoren, um diese Schätze zu heben und dich zu bereichern."

© by Fabian Tietz
Berlin offbeat

Vor dem Adagio reih um reih in glänzender Fassade voller Drang aus dem Zwang ihres vergebenen Seins dreht sich ihr Charme um Macht und Geld mit der Währung der zeitlosen Ehre und Floskeln in Versprechungen gehüllt erlabt sie dieser Rhythmus auf Abwegen der Norm und ohne Toleranz vor der Tiefe des Schmerzes unter dem Minirock der zahllosen Schenkel die den Sumpf auf ihrer Haut nicht spüren im warmen Duft des Rauschs auf zartem Satin vergessen sie die Unterdrückung süchtig nach Leben in leichter Umgebung im Schutz der Juwelen aller Nationen mit Blick auf ihr Glück zwischen den Unwägbarkeiten ihrer Generation tanzen sie zum Klang des Achtzylinders auf dem blutigen Teer geheimer Abmachungen und lächeln.

© by Fabian Tietz
Wiedersehen mit Berlin
Seit man von tausend Jahren mich verbannt.
Ich seh die Stadt auf eine neue Weise,
So mit dem Fremdenführer in der Hand.
Der Himmel blaut. Die Föhren lauschen leise.
In Steglitz sprach mich gestern eine Meise
Im Schloßpark an. Die hatte mich erkannt.
Und wieder wecken mich Berliner Spatzen!
Ich liebe diesen märkisch-kessen Ton.
Hör ich sie morgens an mein Fenster kratzen,
Am Ku-Damm in der Gartenhauspension,
Komm ich beglückt, nach alter Tradition,
Ganz so wie damals mit besagten Spatzen
Mein Tagespensum durchzuschwatzen.
Es ostert schon. Grün treibt die Zimmerlinde.
Wies heut im Grunewald nach Frühjahr roch!
Ein erster Specht beklopft die Birkenrinde.
Nun pfeift der Ostwind aus dem letzten Loch.
Und alles fragt, wie ich Berlin denn finde?
— Wie ich es finde? Ach, ich such es noch!

Ich such es heftig unter den Ruinen
Der Menschheit und der Stuckarchitektur.
Berlinert einer: »Ick bejrüße Ihnen!«,
Glaub ich mich fast dem Damals auf der Spur.
Doch diese neue Härte in den Mienen …
Berlin, wo bliebst du? Ja, wo bliebst du nur?
Auf meinem Herzen geh ich durch die Straßen,
Wo oft nichts steht als nur ein Straßenschild.
In mir, dem Fremdling, lebt das alte Bild
Der Stadt, die so viel Tausende vergaßen.
Ich wandle wie durch einen Traum
Durch dieser Landschaft Zeit und Raum.
Und mir wird so ich-weiß-nicht-wie
Vor Heimweh nach den Temps perdus …
Berlin im Frühling. Und Berlin im Schnee.
Mein erster Versband in den Bücherläden.
Die Freunde vom Romanischen Café.
Wie vieles seh ich, das ich nicht mehr seh!
Wie laut »Pompejis« Steine zu mir reden!
Wir schluckten beide unsre Medizin,
Pompeji ohne Pomp. Bonjour, Berlin!
Mascha Kaléko
Kurt Schwitters vor der Hoftür


Die zute Tute

Und als sie in die Tute sah,
Da waren rote Kirschen drin.
Und als sie in die Tute sah,
Da waren rote Kirschen drin.
Da machte sie die Tute zu,
Da war die Tute zu,

Da war die Tute zu.

© by Kurt Schwitters

~~~

Vorstellung:

Ich habe heute Christian Asbach besucht. Das hat mich kaum Mühe gekostet, denn er hat seinen Arbeitsplatz in "meinem" Innenhof.
Das Filmatelier Asbach.
Ich war schon lange neugierig was genau dort abläuft und wurde letztes Wochenende aufgrund einer kleinen Menschentraube im Hof und eines Aushangs einer dadaistischen Soirée in Asbachs Atelier (siehe Flyer unten) dazu veranlasst ihn doch einmal zu kontaktieren.
Und so traf ich ihn heute. Es war ein kurzes Treffen, denn ich wollte ihn nicht bei der Arbeit stören. Er hat viel zu tun im Moment und als freischaffender Künstler verständlicherweise immer viel um die Ohren. Um so mehr habe ich mich gefreut, dass er sich ein paar Minuten Zeit genommen hat.
Seine Homepage (Link: http://www.filmatelier-asbach.de/index.html) verrät ein bisschen über den bisherigen Lebenslauf des Anfang Dreißigers. Er hat schon einiges gemacht, viel studiert, gearbeitet und in einigen Ländern gelebt. Er spricht sieben Sprachen und mag neben zahlreichen anderen Hobbies seine Stammkneipe, die, wie er mir sagt, eine seiner Hauptquellen für Kontakte zu Künstler- und Schauspielerkollegen ist. (Bild rechts: Christian Asbach in seinem Atelier)

Presseresonanz erlangte er mit seiner filmischen Dokumentation über den szenebekannten Galeristen für Konkrete Kunst, Heinz Teufel (1936-2007), welche von Zuschauern als auch vom WDR-Hörfunk positiv gewürdigt wurde.

Asbach beschreibt mir einige der Installationen für die Inszenierung der "Ursonate" von Kurt Schwitters. Da ist z.B. Moses aus Zucker mit Nadeln im Kopf (siehe Bild links unten) von der Künstlerin Käthe Wenzel (Link: http://www.kaethewenzel.de/index.htm) oder das Wachsherz mit Schwammkern und einem Ring aus Stecknadeln und weitere Figuren und Bestandteile der Aufführung, wie eine pfeifende Bohrmaschine.

Interessant. Kurios.

Hauptdarsteller der Show sind die beiden Schauspieler Andreas Klein und Immo Kroneberg deren wert- und qualitätvolle Unterstützung Asbach sehr schätzt.

Improvisation gehört für ihn, wegen mangelnder finanzieller Mittel, zum Tagesgeschäft. So hat er zum Beispiel keinen professionellen Lichtmixer und greift daher auf herkömmliche, von einem Freund geliehene Dimmschalter zurück.
Doch gerade das macht für mich den Reiz und die Individualität der gesamten Idee aus. Daher werde ich mir die Vorstellung am kommenden Wochenende anschauen und auf die Wirkung all der Besonderheiten gespannt sein.
Wer also eine innere Resonanz beim Thema Dadaismus spürt und in Berlin wohnt oder gerade vorübergehend in Berlin weilt, sollte einfach mal vorbei schauen. Alle notwendigen Daten stehen auf dem Flyer.

Christian Asbach würde sich freuen!
Und ich natürlich auch!

Der Flyer der Inszenierung: "Fümms bö wö tää zää Uu" von Kurt Schwitters:

Außerhalb des Schreibens:
In Erinnerung an die unvergesslichen Berliner Karaokeabende, widme ich dieses Video Nora, Adrian, Steffi, Dobi, Olaf, Philippe und all den anderen liebenswerten Klugscheißern vom Prenzlberg:-)
Danke für die einzigartige Zeit!!

Just a Tribute



Tenacious D - Tribute
Folgendes habe ich gestern in der Berliner Straßenzeitung "Straßenfeger" gelesen. Der Artikel trägt den Titel "Frei geboren?":

Was man tun kann? Versuchen Sie sich und vor allem Kindern und Heranwachsenden, selbstbestimmte Freiräume zu schaffen, in denen sie ihre Kreativität entwickeln können, in denen es möglich ist, im ganzheitlichen, humanistischen Sinn Mensch zu werden. Nur so werden wieder freie Menschen diesen Planeten bevölkern, nicht ängstliche, manipulierbare Karikaturen ihrer selbst, die von ihren ureigensten menschlichen Gaben keinen Schimmer haben.


Der ganze Artikel ist auch online nachzulesen unter folgendem Link: Frei geboren?
Vielen Dank an Miro für sein Kommentargedicht zu "Berliner Pflaster":

fabian tietz in berlin

pflaster um pflaster
und weiter
nichts
sonst

oder doch -

es bleibt immer
etwas:

ein hund
orte
worte

und wunden
wenn es
dunkel wird


© by @miro
Als ich heute von der Arbeit zur S-Bahn gelaufen bin, habe ich in der Bleibtreustraße beim Vorübergehen folgende Worte einer Frau aufschnappen können, die mit sich selbst gesprochen hat:
"...ich muss böse werden. Ich habe gar keine andere Wahl. Ich kann kein guter Mensch bleiben..."

High Society

Als ich gestern auf dem Kudamm zu meiner Praktikumsstelle gelaufen bin, habe ich noch kurz auf einer Bank verweilt, da ich etwas zu früh dran war. So saß ich da, als auf einmal ein Pärchen an mir vorbei lief. Der Mann, jung, dynamisch, modisch leger gekleidet und die Frau in teurem Kleid und edlen Tüchern. Also die Vermutung lag nahe, dass ihnen die High Society Welt nicht ganz fremd zu sein schien.
Wie auch immer. Als sie nun also diskutierend vorüber gingen, blieben sie plötzlich stehen und trennten sich in unterschiedliche Wege. Da rief der Mann plötzlich der Frau mit lautem Ton hinterher:
"Du bist doch frustriert! Du und ihr alle seid doch frustriert!!"

Die Frau ging still weiter und ihre edlen Tücher wehten im Wind.



©by Fabian