Satzpoesie


Jetzt
Ich glaube mich auf einem Irrweg der Worte tieferer Sinn bleibt wortlos im Inneren meiner Sanftheit gestatte ich Stille ist die Essenz allen Seins liegt im Fließen zwischen Geburt und Tod bleibt der Moment "Ich bin".
 

Der Mensch hat keinen Hafen
Wie seine großen Fliederklauen kratzen auf dem Asphalt ist blutgerinntes Leben verkommen zu einem Fleck aus alten Gerüchen der neuen wankenden Zeit in mir bröckelt der Teer aus hölzernen Regalen stürzen Bücher geben und nehmen seine Energie in meinem Kopf der Unzulänglichkeit vor dem was auf den Blättern an den aderlosen Ästen noch kommen mag ergebe ich mich diesem Fluss und erlasse alle Regeln der Konstruktion in diesen Zeilen deiner Hände.


Reiseschnitt 
Die Sonne hat ihre Bahnen verändern sich in allen Zeiten muss man sich sehen und schöpfen mit großen Augen blendet die glänzende Fassade hinter uns beginnt für andere ein Neues ist gut zu vereinbaren mit schnellem Wandel verlierst du schöne Gedanken machen sich breit und wärmen den Schoß vor Lasten zu schonen schenkt Bewegung der Freiheit herrscht nur dort wo das Leben sich setzt jemand alles auf eine Karte gewinnt die Erfahrung lernt durch Verlust treibt immer weiter in das Nichts fällt der Mensch beim Suchen sollte er wahrnehmen wie das Finden ihn umgibt.


Zugrücken
Wie wäre es gestern gewesen wenn ich geschrieben hätte könnte ich nicht denken an mein Jetzt voller Völligkeiten verwächst mir der Alltag zu Gestrüpp aus wirren Lebenslügen entsteht falsches Zurücklehnen mit salzigem totem Fisch auf der Zunge der Zukunft lebe ich anders als im Gegenzug der mich täglich passiert die falsche Sache mit der Existenz schrumpft jedoch neben dem immer deutlicher werdenden Erwachen einer Liebe verdammt zum Glück in widriger Umgebung zwischen den Buchstaben werde ich wieder schreiben.


Ikarus
Es ist mir die Zeit wie ein Flügel tropft das Wachs auf die Saiten jedes Tages Müh' vergeht im Dunst fällt mir eine Zeile vor die Füße stelle ich meinen Mut um ohne Zögern zu folgen vergrabe ich Zweifel frisst sich bis zum Kreuz verschleppe ich die Leichtigkeiten wenden sich ab wenn meine Liebe zu ihnen schwer zu greifen ist meine Scham von der Welt nichts zu verlangen ist das höchste Gut.


Musikalisch
Ich verlor die Tasten in einem unbedachten Moment des ungeduldigen sinnlosen Verlangens nach unbestimmtem Leben in fernen Mythen meiner Sehnsüchte außerhalb der Weisheit suche ich nun die Grundlagen der inneren Töne meiner verstimmten Klaviatur.


Moltkestraße
Das veränderte Vergehen zügelt sich nicht mit der Zeit ist alles in den Texten ohne Anziehung wenn der Geist sich eine neue Welt sucht verlässt er die Liebenden und weiß nicht mehr zu atmen während des Hinabsteigens wird es stickig und schwül ist alle Vollbrachtheit von der keine Hand sich streckt und kein Finger krümmt sich bis die Zigarette in der Pfütze vor dem Haus erlischt.


Berlin offbeat
Vor dem Adagio reih um reih in glänzender Fassade voller Drang aus dem Zwang ihres vergebenen Seins dreht sich ihr Charme um Macht und Geld mit der Währung der zeitlosen Ehre und Floskeln in Versprechungen gehüllt erlabt sie dieser Rhythmus auf Abwegen der Norm und ohne Toleranz vor der Tiefe des Schmerzes unter dem Minirock der zahllosen Schenkel die den Sumpf auf ihrer Haut nicht spüren im warmen Duft des Rauschs auf zartem Satin vergessen sie die Unterdrückung süchtig nach Leben in leichter Umgebung im Schutz der Juwelen aller Nationen mit Blick auf ihr Glück zwischen den Unwägbarkeiten ihrer Generation tanzen sie zum Klang des Achtzylinders auf dem blutigen Teer geheimer Abmachungen und lächeln.


Taten
Immer vor und alles richtig ganz und schnell bringt nicht immer mich zu mir vor dem Tun bleibe ich stehen beseelt von erzwungener Ruhe beunruhigt dass vieles liegt und unsichtbare Zeit nur saugt und zehrend eine Sanduhr die rauchende Angst behäuft mit schwarzer Asche stoppt.