Khmer Rouge

Von jedem Kind,
ein Foto
Von jedem Mann,
ein Foto
Von jeder Frau,
ein Foto
dann gefoltert,
bei Glück gleich erschlagen,
zertrümmert oder Nagel
im Genick
von jedem Menschen,
ein Foto schwarz-weiß
wie Tod und Leben.

© by Fabian

(Khmer Rouge und die ewige Frage nach dem Grund)
____________________________________________
Auschwitz

von jedem menschen
die haare, zuhauf,
was nicht schon
zu filz verarbeitet
ist dem betrachter
preisgegeben.
schau doch,
blondes haar,
braunes, schwarzes,
kurzes, langes,
glänzendes,
stumpfes,
gepflegtes...
gestopft in einen
container aus glas.

brillen,
von klaren augen,
verlorenen, trüben,
von augenblicken,
starr oder direkt,
traurig und fröhlich,
ernst und verstohlen,
hilflos und fest,
gelenkt
ins diesseits und jenseits,
einst,
doch hier
einst gebrochen....

die goldkronen sind weg,
rausgerissen,
rausgebrochen,
mit zangen,
gierig,
aus leichen,
die wehren sich nicht,
brauchgold ist ziergold,
hat keinen stempel,
der seine herkunft
benennt,
unsichtbar jetzt.
zieren vielleicht
als piercing-gold
nabel und zunge,
oder als schließe
die kette
den hals der schönen,
das ohr, den arm.


und dann,
als sollte man noch mehr
ertragen
als wärs nicht schon genug,
von jedem kind
die schühchen,
die strauchelschühchen
vom kindchen,
dem kleinen,
das gehen lernt,
die braunen vom bübchen,
das mit dem pferde reitet,
und dem waghalsigen,
das gerne im matsch spaziert,
die kleinen weißen aus seide,
die tanzschuhe,
diese zarten vom mädchenfuß,
zu klein um nicht zu bezaubern
mit ihrer unschuld...
sind da,
zu hunderttausenden
in den schaukasten gepfercht.

oh, elend der erkenntnis,
- beklemmung -
diese welt findet
keine ausflüchte mehr,
keine,
und jede selbstgefällige
erklärung wie
die neue welt sein soll,
wie der mensch ist,
sein kann, sein sollte,
versickert,
versickert im glaskasten
der gefüllt ist
mit haaren
und brillen
und schühchen,
und dem atem
dem blick
dem zaudern
dem stolz
der menschen,
die unauslöschlich
unsere nächte bevölkern,
den halbschlaf,
und die schuldhafte
ausweglosigkeit
mit hilfloser gegenwart
und
zweifelhafter zukunft belasten..

1998 - © by Gabriele Brunsch

Kommentare:

  1. was für ein schrecken, lebender schrecken, nie zu ende.

    hier schicke ich dir eines meiner gedichte zu einem auschwitz-besuch:


    auschwitz

    von jedem Menschen
    die haare, zuhauf,
    was nicht schon
    zu filz verarbeitet
    ist dem betrachter
    preisgegeben.
    schau doch,
    blondes haar,
    braunes, schwarzes,
    kurzes, langes,
    glänzendes,
    stumpfes,
    gepflegtes...
    gestopft in einen
    container aus glas.

    brillen,
    von klaren augen,
    verlorenen, trüben,
    von augenblicken,
    starr oder direkt,
    traurig und fröhlich,
    ernst und verstohlen,
    hilflos und fest,
    gelenkt
    ins diesseits und jenseits,
    einst,
    doch hier einst gebrochen....

    die goldkronen sind weg,
    rausgerissen, rausgebrochen,
    mit zangen,
    gierig,
    aus leichen,
    die wehren sich nicht,
    brauchgold ist ziergold,
    hat keinen stempel,
    der seine herkunft benennt,
    unsichtbar jetzt.
    zieren vielleicht
    als piercing-gold
    nabel und zunge,
    oder als schließe
    die kette
    den hals der schönen,
    das ohr, den arm.

    und dann,
    als sollte man noch mehr ertragen
    als wärs nicht schon genug,
    von jedem kind
    die schühchen,
    die strauchelschühchen
    vom kindchen,
    dem kleinen,
    das gehen lernt,
    die braunen vom bübchen,
    das mit dem pferden reitet,
    und dem waghalsigen,
    das gerne im matsch spaziert,
    die kleinen weißen aus seide,
    die tanzschuhe,
    diese zarten vom mädchenfuß,
    zu klein um nicht zu bezaubern
    mit ihrer unschuld...
    sind da,
    zu hunderttausenden
    in den schaukasten gepfercht.

    oh, elend der erkenntnis,
    - beklemmung -
    diese welt findet
    keine ausflüchte mehr,
    keine,
    und jede selbstgefällige
    erklärung wie
    die neue welt sein soll,
    wie der mensch ist,
    sein kann, sein sollte,
    versickert,
    versickert im glaskasten
    der gefüllt ist
    mit haaren
    und brillen
    und schühchen,
    und dem atem
    dem blick
    dem zaudern
    dem stolz
    der menschen,
    die unauslöschlich
    unsere nächte bevölkern,
    den halbschlaf,
    und die schuldhafte
    ausweglosigkeit
    mit hilfloser gegenwart
    und
    zweifelhafter zukunft belasten...

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  2. Waren die Fotos der Folterer ebenfalls schwarz-weiß? Oder waren sie rot, ihrem Namen entsprechend, oder rot vom Blut der Ermordeten?

    Wegen des Inhalts des Gedichts, kann ich nicht sagen, es sei schön. Ich finde es sehr wertvoll und beeindruckend!

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  3. ...in düsteren Sätzen über unser Unvermögen,
    das Entsetzliche der Geschichte, in der wir leben,
    zu begreifen.
    - David Albahari in Die Ohrfeige

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  4. Fünf Silben. Genug
    Alles Leid zu beschreiben:
    "Unmenschlich der Mensch".


    Petros

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Vielen Dank für Ihren Kommentar!