Prosastraucheln

Ein Buch zu schreiben, ist neben dem Leben die größte Herausforderung eines Lyrikers. Seine Schwäche im Ausharren und seine Stilisierung des Zielfadens auf den Punkt genau im Ungewissen, lassen ihn hadern. Je nachdem wie seine Lyrik beschaffen ist, fällt es dem einen oder anderen ein wenig leichter. So hat der Schreiberling, mit dem Hang zu Gedichten gezeichnet aus weiten oder gar völlig fehlenden Gedankengrenzen, mehr zu kämpfen mit prosa-genre-artigen Beschreibungen des Innen- und Außenlebens seiner kopfpräsenten Geschichte und wird schmerzhaft gezwungen sich mit diesen Außenlinien auseinanderzusetzen. Der Lyriker mit meist klaren Ansätzen des Schreibens und der Aussage muss sich hierbei weniger plagen und genießt ein flinkeres Fortkommen in seiner Realisation von Realität, Fiktion oder deren Kombination.
Beide jedoch haben einen Kampf gemeinsam:
Das Gefühlssehnen nach der Poesie in Sätzen.

© by Fabian

Kommentare:

  1. "So hat der Schreiberling, mit dem Hang zu Gedichten gezeichnet aus weiten oder gar völlig fehlenden Gedankengrenzen, mehr zu kämpfen mit prosa-genre-artigen Beschreibungen des Innen- und Außenlebens seiner kopfpräsenten Geschichte und wird schmerzhaft gezwungen sich mit diesen Außenlinien auseinanderzusetzen"

    Warum schmerzhaft? Sich auf ungewohnten Wegen zu beschäftigen ist sicherlich reizend, folglich fördernd und diese Aussicht sollte es nicht schlimmer machen als "schwierig".
    Ich denke, dass es nicht nur für ein Buch notwendig ist, den Rahmen zu finden, in dem man sich bewegt (von Grenzenlosigkeit zu sprechen ist wohl Quatsch, das fühlt sich höchstens so an), sondern auch für die Entwicklung seines Selbstbewußtseins. Man sollte die Möglichkeit, sich kennenlernen zu können, nicht ungenutzt lassen, sonst schwebt man womöglich immer in diesen Wolken. Dabei ist doch ganz klar, dass das Schreiben eine Provokation im Streit mit sich selbst ist (zumindest im gegebenen Fall).

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  2. Hallo Marga,

    Freiheit einzugrenzen empfinde ich doch sehr häufig als schmerzhaft, da einem dadurch aufgezeigt wird, dass nicht alles auf einmal möglich ist und sehr wahrscheinlich auch überhaupt nicht alles möglich ist, was für die Geschichte in den Gedanken herumirrt. Und diese Konfrontation mit der Realität nehme ich als schmerzhaft war. Denn die ungewohnten reizvollen Wege liegen ja gerade außerhalb dieser Grenzen.
    Und Grenzenlosigkeit sehe ich ebenso nicht als Quatsch an, wenn man sie, wie beabsichtigt, nicht aus einem realistischen Blickwinkel betrachtet.
    Und zu Stärkung des Selbstbewusstseins gehört meiner Ansicht nach gerade nicht das Ausloten des Rahmens, sondern die gedankliche Befreiung aus den individuellen kognitiven Fesseln.

    Gruß
    Fabian

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  3. Nun. Ich habe ja gar nicht gesagt, dass man sich IN diesem Rahmen weiter fortbewegen soll. Natürlich kann man ausbrechen, eben andere Wege finden. Je nach Belieben und das ist dann wohl wirklich Ansichtssache. Aber für das alles ist es eben notwendig, zu erkennen, auf welche Art und Weise man sich bisher eingeschränkt hat, und wenn das "nur" die Ausgrenzung vom realistischen Blickwinkel war, um bei Beispielen zu bleiben. Halt! Es ist natürlich nicht notwendig. Man kann auch Glück haben. Aber ich finde, all das Schreiben sollte einen doch auch mal näher zu sich selbst führen. Es ist doch nicht allein die kreative Beschäftigung, die das ausmacht, sondern auch deren Analyse.

    Nochmal zur Grenzenlosigkeit. Es ist weiterhin Quatsch in meinen Augen. "Nicht aus einem realistischen Blickwinkel betrachtet" - wie soll das gehen? Was du denkst ist beeinflusst von deiner Umwelt. Wie ich schon sagte - es fühlt sich höhchstens unendlich an, weil es manchmal unzählbar viele Wege gibt. Dein Hirn hat Grenzen, damit das Denken und auch die Vorstellungskraft. Es ist doch eigentlich anmaßend, das Gegenteil zu behaupten. Eigentlich, weil es Künstlern ja zugestanden wird, sich in Arroganz zu kleiden.
    Bemerkenswert finde ich bei diesem Thema, am Rande: ich glaube keinem, der mir erzählt er könne sich die Unendlichkeit vorstellen, obwohl man doch nun weiß, dass es sie wohl gibt.

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  4. Was heißt: Zu sich selbst führen?
    Ehrlich gesagt finde ich das noch viel abstrakter als die Vorstellung einer Unendlichkeit (von der man übrigens überhaupt nicht weiß, dass es sie gibt, geschweige denn welche Form sie hat).
    Wo ist dieses "Selbst"? Ist das in einem? Ist das ausserhalb? Das mir vorzustellen finde ich weitaus schwieriger als sich die Unendlichkeit bildhaft auszumalen. Und ich zähle mich persönlich keineswegs zu denjenigen, die vielleicht eine dieser beiden Vorstellungskräfte besitzen.
    Mit Glauben hat das ganze recht wenig zu tun, da Du dein eigenes Vermögen nicht auf andere Menschen übertragen kannst. Woher soll ich wissen was andere denken können? Ob ich das, was andere behaupten denken zu können, nun glaube oder nicht, hat keine Bedeutung, da es (um es auf eine realistische Ebene runterzubrechen) keine Mittel gibt um das Gegenteilige zu beweisen.
    Nebenbei gesagt interessiert es mich auch nicht im Geringsten was andere Menschen für Denkfähigkeiten besitzen. Ich bin eher noch dabei meine eigenen auszuloten..vielleicht hilft mir ja das Prosachreiben dabei..

    Es gibt aber auch Theorien, die das Universum als vollständig von einem Gehirn erdacht betrachten. Das heißt, alles um uns herum ist das Ergebnis der Phantasie eines einzigen Gehirns.
    Ich bin weder Physiker, noch habe ich diese Theorie verstanden, aber was ich wirklich bemerkenswert finde ist, dass diese Theorie eine höhere Wahrscheinlichkeit aufweist als die Theorie des unendlichen Raumes.
    Entschuldigung, ich weite das Thema zu weit aus, es wird zu naturwissenschaftlich, eigentlich überhaupt nicht mein Gebiet. Was ich damit nur sagen möchte ist, dass sich nichts beweisen lässt und damit der Glaube an dies, das oder jenes überhaupt nichts zur Sache tut.

    Zur Ausgrenzung gebe ich dir Recht. Ignoranz und fehlende Auseinandersetzung mit unangenehmen oder nicht zu einem selbst passenden Sachverhalten, in diesem Falle "Realität", bringt rein garnichts. Lässt lediglich auf der Stelle tappen.

    Dein Satz "..weil es Künstlern ja zugestanden wird, sich in Arroganz zu kleiden." gefällt mir!
    Wer und was sich nicht alles Künstler nennt ist die eine Frage, aber wer bestimmt was ein Künstler ist und wie er sich zu verhalten hat und ob er arrogant sein darf oder nicht? Ich glaube, dass viele "Künstler" deswegen arrogante Anwandlungen haben, weil

    1. es für sie die einzige Möglichkeit darstellt ihre "Künstlerseele" vor der Gesellschaft zu schützen

    oder

    2. Arroganz einen unglaublich hohen Show- und damit Vermarktungswert besitzt.
    Wenn jemand auf die Bühne kackt und ruft: "Ich bin der König der Welt", bringt das eben Geld.

    Schöne Grüße
    Fabian

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  5. "Was heißt: Zu sich selbst führen?"
    beispielsweise:
    "Ich bin eher noch dabei meine eigenen auszuloten..vielleicht hilft mir ja das Prosachreiben dabei.."
    Ich weiß nicht, vielleicht reicht das, um verständlich zu machen, was ich meinte?

    Zur Arroganz möchte ich noch hinzufügen, dass es doch tatsächlich Menschen gibt, die meinen, in ihrem Künstlerdasein etwas Besonderes zu sein. Selbstverständlich wird Schönes geschaffen, vielleicht finden sich im Leser/Betrachter ein paar Türen, von denen er bislang nichts ahnte, etc., aber schlussendlich brauchts die Kunst nicht mehr als einen Bäcker. Das Argument, es könne ja nicht jeder Künstler sein - dahin gestellt, diese Frage werwaswann ist Künstler mag ich nicht unbedingt diskutieren - hält nicht, wenn ich mir denke, dass mir die Brötchen vom Bäcker um die Ecke nicht schmecken. Idealismus gibt es in der Kunst wie in jeder Dienstleistung. Vielleicht ist ein Masseur ein gelungeneres Beispiel.
    Für mich die einzige Rechtfertigung der Arroganz die, den Weg überhaupt eingeschlagen zu haben und das enorm hohe Riskio eines ...bröchtenlosen Lebens einzugehen. Das ist mutig. Am Ende kann dann aber auch jemand wie ich kommen und sagen "selbst schuld".

    Mit den Naturwissenschaften kenne ich mich auch nicht aus. Anscheinend ist dort der Glaube aber auch notwendig, das habe ich bisher nie bewußt wahrgenommen.
    Ich bin ein wenig verwirrt jetzt, und denke, ich kann zum Thema "Glaube" auch nicht mehr, als recht geben, in den Punkten, die du da ansprichst.

    Ich bin mir auch nicht sicher, ob ich nun auf alles eingegangen bin. Wäre denn dankbar für einen Hinweis, falls das nicht der Fall ist.
    Und ich grüße zurück.

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  6. Das mit dem Verwirrtsein verstehe ich, lässt einen in der Prosa stolpern, aber in der Lyrik fliegen.
    Ja Kunst ist wohl Kunst, so wie ein Bäcker Bäcker ist oder ein Arzt Arzt oder xx xx. Da hast du Recht. Aber da kommt wohl manchmal auch meine Arroganz hoch, die die Toleranz nicht selten ein wenig ins Abseits drängt:-)
    Man ist ja Mensch..oder sowas ähnliches.

    Ich möchte hier jedoch nicht in ein übles universitäres detailzerstückelndes Erbsenzählen abrutschen, dafür reicht meine Folgefähigkeit (oder kalt gesagt: Intelligenz) nicht aus.

    Vielleicht ist die einzig wahre Kunst die Lebenskunst?!?
    Ich bin nun auch verwirrt..Ich glaube ich werde jetzt ein wenig Prosa schreiben, zum Klarwerden.

    Gruß

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  7. "Vielleicht ist die einzig wahre Kunst die Lebenskunst?!?" Hm ja. In der "Kunst" vielleicht wirklich, wie schon angesprochen.

    Das klingt nach Ende der Diskussion. Das find ich gar nicht so schlecht. :)

    Gruß auch

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